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Mystik - der stille Weg zu Gott in Dir - über christliche Mystik - Mystik - Über christliche Mystik am Beispiel von Johannes vom Kreuz

Mystik - der stille Weg zu Gott in Dir


Glühen ist besser als Wissen.

(Bernhard von Clairvaux)

Ich glaube, dass der allmächtige Gott viel grösser ist, als unser kleiner Verstand es je wahr haben kann. Wie könnten wir uns vormachen, dass wir den der uns geschaffen hat verstehen, geschweige denn was ihn treibt, was er will?

Religionen sind der Versuch, das Unerklärliche in Worte zu fassen, doch so hilfreich Religionen auch sind, so wenig sind sie in der Lage, Gottes-Erfahrung zu vermitteln.
 
Da der Verstand nicht reicht, um Gott zu verstehen, bleibt uns nichts als unser Herz zu benützen, um ihn zu fühlen.
So wie ein Blinder das Gesicht seines Gegenübers ertastet, ganz vertrauend auf die ihm zur Verfügung stehenden Sinne, so können wir die Nähe Gottes fühlen, wenn wir die Augen schliessen und in uns hinein höhren.
 
Er aber hielt sich zurückgezogen
an einsamen Orten auf und betete.

(Lukas Evangelium 5,16)

Mystik bedeutet, zu anerkennen, dass man weit entfernt ist Gott zu begreifen. Es bedeutet, daraus die Demut zu entwickeln, Gott als grösser zu anerkennen als unser kleines bisschen Hirn. Und es bedeutet sich hinzugeben der Dunkelheit des Nichtwissens um hinaufzusteigen in die Welt des Wahrnehmens.
 
Der Weg dahin - das weisen uns die Wüstenväter, die Eremiten und die Mönchsväter - bedarf der Stille, des Rückzugs in sich selbst und der demütigen Hingabe.
 

Strophen zu einer Entrückung hoher Beschauung

Ich trat ein, wußte nicht wo,
und blieb unwissend,
alles Wissen übersteigend.

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.
 
Vom Frieden und von der Frömmigkeit
war es vollkommenes Wissen,
in tiefer Einsamkeit,
in Einsicht des rechten Weges,
war es eine so geheimnisvolle Sache,
daß ich stammelnd verharrte,
alles Wissen übersteigend.
 
Ich war so hingerissen,
so versunken und entfremdet,
daß meine Sinne
jede sinnliche Wahrnehmung verloren,
und der Geist sich beschenkt fand
mit einem nichtverstehenden Verstehen,
alles Wissen übersteigend.
 
Wer wahrhaft dorthin gelangt,
wird an sich selber irre,
alles, was er früher wußte,
scheint ihm recht gering,
und sein Wissen mehrt sich derart,
daß er unwissend bleibt,
alles Wissen übersteigend.
 
Je höher man steigt,
umso weniger verstand man,
daß es die dunkle Wolke ist,
die die Nacht erhellte;
deshalb bleibt, wer sie erfuhr,
unwissend,
alles Wissen übersteigend.
 
Dieses nichtwissende Wissen
ist von so hoher Mächtigkeit,
daß die Weisen mit ihrem Folgern
es nie meistern können,
denn ihr Wissen reicht nicht hin,
nichtverstehend zu verstehen,
alles Wissen übersteigend.
 
Und von so großer Erhabenheit
ist dieses höchste Wissen,
daß es weder Fähigkeit noch Wissen gibt,
die es umfassen könnten;
wer sich selber zu besiegen wüßte
durch ein nichtwissendes Wissen,
der wird sich immer übersteigen.
 
Und wenn ihr es hören wollt:
Diese höchste Wissenschaft
besteht in einem erhabenen Empfinden
für die göttliche Wesenheit;
es ist Werk ihrer Barmherzigkeit,
daß man nichtverstehend ausharrt,
alles Wissen übersteigend.
 
(Johannes vom Kreuz)

Hütet euch,
dass niemand euch in die Irre leite mit den Worten
'Sieh hier!' oder 'Sieh da!'.
Der Menschensohn ist vielmehr in eurem Inneren.
Folgt ihm nach! Wer ihn sucht, wird ihn finden.

(Evangelium nach Maria, 3,3)

Die Dinge, die zur Wirklichheit im Raum Gottes gehören,
kann nur sehen, wer so wie sie geworden ist.
Beim Menschen in der Welt ist das nicht so.
Er kann die Sonne sehen, ohne die Sonne zu sein.
Und er kann den Himmel, die Erde und alles andere sehen,
ohne so zu sein.
Anders ist es bei der Spähre der Wirklichkeit Gottes, der Wahrheit.
Wenn man etwas von dieser Wirklichkeit sieht, wird man ein Teil davon.
Man sieht den Geist und wird Geist.
Man sieht Christus und wird Christus.
Man sieht den Vater und wird der Vater.
In dieser sichtbaren Welt sieht man daher alle Dinge ausser sicht selbst.
In der unsichtbaren Welt, am Ort Gottes, dagegen sieht man sich selbst.
Denn was man sieht, wird man.

(Evangelium des Philippus 44)

Ich preise dich, Vater,
Herr des Himmels und der Erde,
dass du dies den Weisen und Klugen verborgen hast
und es den Unmündigen geoffenbart hast.

(Lukas 10,21)

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